Der Ruf nach mehr Demokratie als eine Frage der Beiteiligung am kollektiven Eigentum

Die internationalen und doch eigentlich national-gesinnten Occupy-AktivistInnen, die 99% der Gesamtbevölkerung bzw. deren RepräsentantInnen, die WütbürgerInnen, die Empörten, HesselistInnen, etc., die global auftreten, und deren Aktionsspektrum von friedlichem Straßenfestprotest1 bishin zu mitunter tödlichen Ausschreitungen reichen kann, lehnen sich inhaltlich, wenn überhaupt von einem Minimalkonsens die Rede sein kann, gegen das Defizit an Demokratie in den westlichen Staaten auf.2 Die formal Regierenden, also die Parlamente, scheinen ihre Souveränität verloren zu haben und abgetreten an die Vertreter der Finanzwirtschaft, also „Bankster“, „Heuschrecken“ und (mehr…)

Am Tag vor meinem echten Semesterbeginn zwei Zitate – Das geht raus an alle philosophischen „Erstis“

Ab morgen, dem Tag, an dem ich meine erste Vorlesung besuchen werde, gehöre ich dann richtig zur Riege, dem wackeren Heer der Philosophie-studierenden. Den belächelten, da sie als naiv erscheinen angesichts ihrer Perspektivlosigkeit auf dem Markt, aber trotzdem geschätzten, weil sie sich der Realität zu widersetzen scheinen und ihren Träumen folgen, was heute kaum noch jemand wagt. Ob ein Master in Philosophie wirklich die Eintrittskarte für das Amt ist, sei dahingestellt. Auch mit der Philosophieabschluss kann mich durchaus auf dem Markt anbieten für mehr als „n Appel und n Ei“. Es gibt doch so einige, wenn auch nicht ganz offensichtliche Berufsfelder, die sich erschließen, wenigstens als Ethiklehrer. Allerdings gibt es dann doch auch lukrativere Einnahmequellen. Genannt werden könnte das Augsburger Dr. Hofweber Institut. Die Einrichtung bietet eine philosophische Unternehmensberatung an. Ob diese im Wesentlichen über Phrasen, wie „Philosophie öffnet den Blick für das Wesentliche“, „Neues Handeln ist nur über ein neues Denken möglich“ oder „Die gelebte Unternehmenskultur ist maßgebend, nicht die gewollte“ hinausgeht, bleibt das Mysterium. Weitere weise Sinnsprüche dieser Art finden sich auf der Internetpräsenz des Instituts.
Wenige Absolventen im Fach Philosophie werden vielleicht auch Fernsehphilosophen, die immer dann in Talkshows gefragt sind, wenn die anderen nicht mehr Bescheid-wissen, oder ein Problem ohnehin nicht gelöst werden kann, darf sich ein Philosoph darüber auslassen wie Autor und Schwätzer Richard David Precht.
Die Kritik an diesen „modernen“, positivistischen Philosophierenden kann ich eigentlich nur aus der „Dialektik der Aufklärung“ übernommen werden:

„Die offizielle Philosophie dient der so funktionierenden Wissenschaft. (mehr…)

Reflexionen über „H.I..M.Y.M.“

„Die Kulturindustrie grinst: werde was du bist, und ihre Lüge besteht gerade in der wiederholenden Bestätigung und Verfestigung des bloßen Soseins, dessen, wozu der Weltlauf die Menschen gemacht hat.“
(Theodor W. Adorno in „Prolog zum Fernsehen“)

„Die Heroisierung des Durchschnittlichen gehört zum Kultus des Billigen.“

(Max Horkheimer/ Theodor W. Adorno in „Dialektik der Aufklärung“ im Kapitel „Kulturindustrie, Aufklärung als Massenbetrug)

Zur thematischen Einstimmung:

Kaum eine Serie vermag es so wie „H.I.M.Y.M.“ („How I met your mother“) in dieser Generation fast jeden zumindest zu amüsieren und meistens sogar zu begeistern. Überall ob iin den Verkehrsmitteln des ÖPNV, den Pausenhöfen der Schule, bei Bekannten auf dem Sofa oder nachts im Club, nüchtern oder betrunken, wird die Serie zitiert, Barney Stinsons Sinnsprüche nachgeäfft. Der Kult um die US-amerikanische Sitcom ist dabei offenbar nicht nur auf Deutschland beschränkt, denn selbst Bekannte aus dem Ausland können den ulkigen Geschichten der fünf New Yorker etwas abgewinnen und renommierte Auszeichnungen bestätigen ihre Qualität. Es handelt sich um einen internationalen Nerv, den die Macher des Produkts hier trafen. Gerade wegen ihrer großen Fangemeinde erscheint es interessant zu versuchen sich bewusst zu machen, was sich hinter den witzigen Begebenheiten der Protagonisten für eine tiefere Aussage verbirgt, welche Sicht auf die Welt sie vermittelt. Die Reflexionen zu „H.I.M.Y.M.“ werde ich nicht an einer einzelnen Folge festmachen, auch wenn es dann für Nichtkenner der Serie (falls es so etwas überhaupt noch gibt) kompliziert wird sie nachzuvollziehen. Auch habe ich mir nicht die Mühe gemacht mich durch die Drehbücher der Serie zu arbeiten1, ich gebe die Handlungsbruchstücke, auf die ich mich beziehe, aus dem Gedächtnis wieder. Andererseits bestätigen sich die Beobachtungen nur bedingt in den einzelnen, konkreten Episoden vollständig, sondern erst im Gesamten. Auch ist nicht auszuschließen, dass es zu grundsätzlichen Änderungen für die Protagonisten kommt mit der neusten Staffel (die wohl für die meisten ein alter Hut ist, da die Serie im englischen Original ihren waren Reiz ausübt, weil im Deutschen wohl die Aura verloren geht). Es ist allerdings auch nicht anzunehmen.
Die Serie erzählt kurz gesagt von fünf vereinzelten New Yorkern vier US-Amerikanern, (mehr…)

Apostolischer Sozialismus

Was sich hinter diesem Begriff verbirgt konnte ich in meinen Recherchen nicht genau klären. Vermutlich ist er einfach leer. Letztlich geht es um ein Zusammenleben in einer Gemeinschaft ohne Klassen – und Rassenunterschiede, ohne Eigentum unter einer totalitären, christlich-fundamentalen Herrschaft. Vielleicht kann man sich die Sekte des hochmittelalterlichen Häretikers Frau Dolcino, die in Umberto Ecos „Im Namen der Rose“ beschrieben wird, ähnlich vorstellen. Es handelt sich bei ihm um einen bunten Coktail aus realem Sozialismus, Antiamerikanismus, Esoterik, Verschwörungstheorien, Massenmanipulation, religiösen Fanatismus, Faschismus und Sexualfeindlichkeit – fast allem Bösen unserer Ära schlichtweg und ebenso giftig wie eine „Limonade mit Zyanid und Valium“1 Existiert hat er in Jonestown, das „Exil“ der Mitglieder des „Peoples Temples“ in Guyana. Der Ort erlangte traurige Berühmtheit als der größte Sekten-massensuizids der Neuzeit mit 906 Opfern.
Aber seht selbst:

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Drehbuchidee: Die „Fußballnovelle“

Ich habe eine glühende Idee für ein neues Drehbuch, welches sich perfekt in das Programm des neuen deutschen Erfolgskino einfügen könnte. Sie schlummerte schon so lange unbewusst in mir und bricht nun aus wie ein isländischer Vulkan. Hier möchte ich nur einmal die Handlung des Filmes so kurz wie möglich skizzieren.
Der Plot versucht eine verantwortungsvolle Aufarbeitung des düstersten Kapitels der nationalen Geschichte mit der schönsten Nebensache der Welt zu verbinden. Der Titel dieser freien Verfilmung Stefan Zweigs Exilklassiker „Schachnovelle“ heißt „Fußballnovelle“. Neben den literarischen Quellen hält er sich auch an die historischen Hintergründe der ausgehenden Jahre der NS-Diktatur und der deutschen Nachkriegsgeschichte. Das Werk soll aufzeigen, wie Grenzen überwunden werden können, indem es offensiv Klischees und Vorurteile abbaut aufräumend mit einem schwarz-weiß Denken. Es ist ein Film für Alte, die sich erinnern wollen, Erwachsene, die aufgeklärt werden müssen und die Jugend, die es einfach besser machen soll. Ein Unterhaltungsangebot für die ganze Familie eben.

Der Hauptdarsteller, der auch als Erzähler fungiert während der großen Zeitsprünge innerhalb der Filmhandlung der wahrscheinlich aufwendigen Produktion, heißt Ernst. Niemand würde vermuten, dass sich hinter diesem urdeutschen Namen ein Jude verbergen könnte. Doch Herbst 1942 (mehr…)

Zu den Krawallen in London

Als der Nachrichtensprecher Tom Buhrow kürzlich in den Tagesthemen sinngemäß die Worte sprach: „Im 18.Jahrhundert erklärte der englische Philosoph John Locke das Recht auf Eigentum zum Menschenrecht…die Plünderer brechen somit ein Recht, welches in der englischen Geistesgeschichte auf einer Stufe mit dem Recht auf Leben stellt.“ (pathetische Pause ehe der Beitrag beginnt), traf er damit einen wichtigen Aspekt der Krawalle in Großbritannien. Die heterogene, überwiegend aus jungen Menschen („wütenden jungen Männern“) bestehende Meute verweigert den Eigentumsverhältnissen kollektiv die Gefolgschaft und handelt dadurch ebenso böse wie ein Meuchelmörder nach den moralischen Kategorien dieser Gesellschaft. Trotz ihres an sich unpolitischen Charakters rütteln die Aktionen die Plünderer an einem Grundkonsens dieses Systems des Kapitalismus durch Plünderung, und Zerstörung privaten Wohnraums, also die Übertretungen wider dem Privateigentum. Die Randalierenden sind in dieser Hinsicht antikapitalistisch.
Dadurch, dass bei einem Tauschgeschäft, (mehr…)

Die beständige Furcht vor dem Barbarischen

Die „erschreckenden Geschehnisse in Norwegen“1 (diese Formulierung ist wahrscheinlich schon eine Plattitüde) sollten jedem politisch Interessierten ein Grund sein über die politische Situation in der westlich-europäischen Welt einmal zu reflektieren. Die Frage nach der Dimension, der Bedeutung, dieses Terroraktes soll nicht der Art und Weise der Medien entsprechen, die es zu einem Spektakel hypen, welches die Hungerkatastrophe in Somalia ablöste, bis es selbst wiederum abgelöst wird durch das Nächste (während ich diesen Text in die Tastatur haue, ist auf web.de das neue Topthema: Wie viel verdienen unsere TV-Stars? Von Raab bis Jauch…eine Bildergalerie). Weniger möchte ich mich an dieser Stelle der konkreten Tat, ihren Hintergründen oder den „Standpunkten“ des „blond und blauäugigen“ Attentäters widmen, als der generellen Öffnung der Gesellschaft, die im Sozialkunde Unterricht und im Diskurs gerne als eine „offene“ bezeichnet wird und für die Norwegen neuerdings ja als Paradebeispiel gilt, für autoritäres und auch reaktionäres Denken. Das Pamphlet des Terroristen, die 1500seitige Collage, die alles aufgenommen hat, was in den rechtsbürgerlichen Gewässern seine Bahnen zieht, von Jesus und seinen alttestamentarischen Vordenkern2 bis Wilders, von den mysteriösen Freimaurern bis Broder, beweist, dass Anders Breivik Ideen Produkt der gesellschaftlichen Diskurse, vor allem der der Rechtspopulisten sind.
Das Gefühl, dass in dieser Welt alles falsch läuft, umschwirrt einen vermutlich permanent, egal, ob politisch sozialisiert oder eher unpolitisch. (mehr…)

Alexander Newski – Do it again!

In seinem propagandistischen Tonfilm „Alexander Newski“, einen mittelalterlichen, russischen Nationalhelden, von 1938 erscheint es als sähe Sergej Eisenstein in die Zukunft, obwohl er doch mit der Handlung, den ritterlichen Kostümen und historischen Szenenbildern spektakulär in die Vergangenheit reist. Vier Jahre vor dem Einfall der deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion präsentierte er dem Kinopublikum, dem russischen Volk bzw. Proletariat, ein in russisches Territorium einfallendes Heer bestehend aus uniformen, stark an Sturmtruppler erinnernde Ordensritter und ihren Söldnern, sowie einem Bischof, dessen Mitra mit einer Hackenkreuzabwandlung bestickt ist und optisch ebenfalls an eine Figur aus Star Wars erinnert, den Imperator vom Todesstern. Das schwarze Kreuz trägt auch jeder Ordensritter auf seiner Rüstung, auch das erinnert an nationalsozialistische Symbolik. Dieser „Wehrmachtvorrausgriff“ zieht plündernd durch die russischen Gebiete und macht in ihrem Destruktionstrieb, vor Städten, und in ihrem Mordgelüste, dabei auch vor kleinen Kinder nicht Halt. Der Mord an Kinder weckt natürlich beim Betrachter ganz bestimmte Emotionen und ist wohl das eindeutigste Propagandamittel, wenn es auch soweit von der Realität des zweiten Weltkrieges nicht entfernt scheint. Zusätzlich droht auch noch eine Gefahr aus dem Osten. Historisch sind dies die Mongolen, zum Zeitpunkt, an dem der Film publiziert wurde, waren dies die japanischen Truppen des Tenno.
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Glen or Glenda – der transsexuelle Trash

„Pull the string! Pull the string! A mistake is made. A story must be told.“ (The scientist)

Kürzlich sah ich mir Tim Burtons Film Ed Wood aus dem Jahre 1994. Der Film behandelt die ersten Wirkungsjahre des exzentrischen Regisseurs. Der erste Film, dessen Dreharbeiten in der Handlung thematisiert werden, zeigen die Arbeiten zu dem Film „Glen or Glenda“, welches im Zusammenhang der Geschlechtsumwandlung der Christine Jorgensen in Auftrag gegeben wurde.
Das „Doku-Drama“(?) des amerikanischen, wohl zu Recht zum Trag-Regisseur erklärten, Ed Wood aus dem Jahre 1953 widmet sich dem Leiden transsexueller Männer in einer sexistischen Wirklichkeit. (mehr…)

Erleuchtung & Offenbarung des schmalhans

Satan

„Erwarte nicht des Himmels Zeichen – Glaube dem, was dir das Herze sagt!“
(Iwan Karamasow in Fjodor Dostojewskis „Die Brüder Karamasow“ )

Begegnungen mit Jesus oder der religiösen Herrlichkeit allgemein passieren meistens, ohne dass sie besonders gewollt oder abzusehen gewesen wären- zumindest in ihrer späteren Verklärung. Der sündige Christenverfolger Saulus befand ich kurz vor Damaskus, wo er weitere Jagd auf fromme Christenmenschen machen wollte, als ihn überraschend das erblindende Licht vom Himmel traf und der Messias ihm erschien. Nachdem ihm der Herr das Augenlicht zurückgab wurde, der wohl der prominenteste Apostel des Herrn. Ebenso erging es mir, als ich die frohe Botschaft auf einem Sticker an einer grauen Regenrinne erblickte, symbolischer kann der Ort der Offenbarung, doch kaum sein, und sie mich erfüllte.
Erwartungsgemäß führten meine Recherchen über den Ursprung der Nachricht vollkommen ins Leere, so als wäre der Sticker von einer mystisch-heiligen Macht nur für mich gelayoutet worden und von einem heiligen Händchen an die Rinne geklebt, um mich zu veranlassen, die Botschaft unter die Menschen des präapokalyptischen Zeitalters zu bringen. Ich lasse meinen Blog gerne zum Sprachrohr froher Botschaften instrumentalisieren.
Wer sich dafür entscheidet, zu betrügen, zu rauben, zu morden, oder gar Drogen zu konsumieren, wie der Totenkopf, sollte auch Jesus seinen Tribut zollen. Zumindest solange er zur Siegermannschaft gehören will! Das gilt vor allem für alle Fusionfahrer!